Montag, August 04, 2008

Method-Blogging: Wahnsinn mit Methode

"Zum 65. Geburtstag der eigenwilligen Method-Acting-Legende ROBERT DE NIRO erinnert sich der Star-Kameramann Michael Ballhaus" in der TV DIGITAL Nr. 16 vom 25.07.2008 auf Seite 28:

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Das kompromisslose Aufgehen in der Rolle, Method -Acting genannt, ist seit jeher sein Markenzeichen.
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KENNENGELERNT HABE ICH Robert de Niro dreimal - zumindest, was unsere gemeinsamen Filme betrifft. Bei jedem dieser drei Filme war er ein komplett anderer Mensch. Er ging bei jedem Dreh völlig in der Rolle auf. In "Schuldig bei Verdacht" spielt er einen sympathischen, idealistischen Regisseur. Während des Drehs war er der großzügigste und charmanteste Mensch überhaupt. Spielt er wie im Drama "Sleepers" (1996) einen Pater, überstrahlt seine ruhe und Ernsthaftigkeit alles andere. In "Good Fellas" allerdings verkörpert De Niro einen gnadenlosen, eiskalten Gangster. Das ist beim Dreh dann auch in sienem privaten zu spüren. Dann ist De Niro, den in Hollywood fast alle Bob nennen, eben Method Actor ohne Kompromisse. Durch seine typische intensive Vorebreitung hat er diese Figur komplett verinnerlicht. Es ist faszinierend, diese Verwandlung zu beobachten. Auch in den Drehpausen am Set bleibt er konsequent in der Grudnstimmung seiner Figur.
Jeder am Set ist grundsätzlich extrem vorsichtig bei ihm, einige sind eingeschüchtert. Auch weil er bei den Aufnahmen nie zweimal den exakt selben Text spricht. Er verändert gerne stark den Drehbuchdialog. Das verunsichert manche seiner Kollegen. Außerdem spricht De Niro manchmal sehr, sehr leise. Wenn ein Tonmann da sagen würde: "Bob, könntest Du etwas lauter sprechen?", gäbe es eien Katastrophe - vor allem, wenn er gerade in einer Gangster-Rolle steckt. Das würde niemand wagen - auch bei einem 65-Jährigen nicht.
ES IST NICHT IMMER LEICHT, auch nicht für Kameraleute wie mich. Man kann Bob nicht einfach sagen:"Das ist die Markierung, auf der du stehen musst!" Ich muss ihm einfach Freiheit geben und sehr flexibel sein. Stelle ich mich darauf ein, läuft auch alles gut. Mehr als das - dann entschädigt er alle mit unglaublichen Szenen. So wie bei "GoodFellas".[...]

DER PRIVATE DE NIRO, den ich kennengelernt habe, ähnelt am ehesten dem vom Dreh zu "Schuldig bei Verdacht". Er ist ein lockerer, gelöster Mensch, mit dem man viel lachen kann und der Späße macht. So war ich auch nicht überrascht, dass er zuletzt immer häufiger Komödienrollen spielte. Bei einer hätten wir fast wieder zusammengearbeitet.[...] Weil der Regisseur nicht so erfahren war, wollte Bob eiegntlich, dass ich filme und ihn so etwas unterstütze. Leider musste ich wegen eines anderen Projekts absagen. Das nahm er mir zunächst fast übel, inzwischen ist es aber vergessen: "Reine Nervensache" wurde schließlich einer seiner erfolgreichsten Filme überhaupt. Aber ich bin mir sicher: Beim Dreh hätte ich sicherlich den vierten De Niro kennengelernt. Michael Ballhaus

Ach.

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