Dienstag, September 30, 2008

Börse, Tabus und die Alterung der Gesellschaft

„Ein Edler hat 3 Tabus: In der Jugend, wenn die Lebenskraft
noch nicht gefestigt ist, liegt das Tabu im Geschlechtstrieb.
Wenn er dann erwachsen ist und die Lebenskraft sich stabilisiert
hat, liegt das Tabu im Kampf (Machttrieb).
Und im Alter, wenn die Lebenskraft schon zerfallen ist, liegt
das Tabu in der Habgier“.
(n.R.S.14,Lunyu 16.7)

Der heutige Beitrag in der Serie zur Eröffnung des Konfutse-Instituts in Trier.

…. dann gehen wir aber mit der radikalen Alterung in den Industriestaaten (Deutschland, Japan, China !!!) harten Zeiten der Gier an den Börsen entgegen ;-). - Ohne Werte, Ohne NEUE Ethik. Vieleicht schreib’ ich mal die Tage noch was zu nachhaltiger Geldanlage auf ethischer/religiöser Grundlage, Sharia Compliant Funds etc.

Inzwischen empfehle ichallen Hobby-Börsianern Johanneskraut(literweise!)und Qi-Gong..


Monika Gesswagner
Matr.Nr.9321212
St.KZ.296/297
601333 PS Geschichte der Philosophie - Achsenzeit
Prof. Franz Martin Wimmer
KONFUZIUS

1
Überblick seiner Wirkungsgeschichte
Konfuzius Leben fällt in die Chunqiu-Zeit (722-481 v.Chr. chunqiu wörtlich:
“Frühling und Herbst“) Diese unruhige Epoche des Übergangs, vom Aufblühen und
Vergehen verschiedener Staaten gekennzeichnet, verändert langjährige soziale
Strukturen und schneidet alte Verwurzelungen durch. Der Feudalstaat der Zhou,
die China in dieser Zeit beherrschten, ist dem Untergang geweiht. Übrig bleibt nach
langen Kämpfen ein einziger Staat mit dem Namen Qin. In diesem werden die
Grundlagen des späteren Kaisertums geschaffen und auch der westliche Name
CHINA stammt aus dieser Zeit.
551 v.Chr. (übliche Datierung) wird Konfuzius im Staate LU in diese Zeit
hineingeboren.
Sein Familienname ist Kong, sein Kindesname Qiu, und der mit zwanzig Jahren
verliehene Initiationsname lautet Zhongni. Die Chinesen nennen ihn üblicherweise
„Kongzi“, „Meister Kong“. Aus der Variante „Kong-fuzi“, „Lehrer Kong“ wurde in
der lateinischen Transkription „Konfuzius“.
Er soll aus einer „wilden Vereinigung“
(R.S.11)
, also einer illegitimen Beziehung,
hervorgegangen sein. Diese Tatsache scheint jedoch keinen Einfluss auf seine
spätere Berufung zu haben, wie er selbst sein Leben und Wirken bezeichnet.
Konfuzius bekennt sich kulturell zu den Zhou. Das Weltbild der frühen Zhou ist
getragen von der Religion des „Himmels“ (tian), eines ethisch konzipierten Gottes.
Über Eingriffe in die Politik, das persönliche Schicksal und in die Natur verfolgt der
Himmel sein Ziel, die Guten zu belohnen und die Schlechten zu bestrafen und zwar
nicht in einem Jenseits, sondern in der hier und jetzt erfahrbaren Welt. Die Zhou
fühlten sich als der verlängerte Arm des Himmels.
Konfuzius fühlte sich nun seinerseits vom „Himmel“ dazu berufen, die
untergehende Kultur der Zhou zu retten, der Agonie des Zeitalters ein Ende zu
Er glaubte buchstäblich an die Macht des Lernens im besten Sinne. Er wusste, dass
nur Bildung die sozialen Schranken überwinden kann und damit die
Standesherkunft ihre Bedeutung und Wichtigkeit verliert.
Darin ist der Beginn einer Veränderung der gesellschaftlichen Werte erkennbar, die
heute in Sozialstaaten eine Selbstverständlichkeit ist. Bildung ist für alle Menschen
zugänglich geworden. Jede/r hat heute die Möglichkeit, unabhängig von seiner
Herkunftsfamilie, Bildung zu erhalten.
Nicht nur durch seine nüchterne Einschätzung des Menschen steckt er die
Möglichkeiten der Ethik und Pädagogik ab, sondern auch durch Selbstreflexion
kennt er das zur „Last“ werdende Unvermögen, mit den eigenen Trieben
umzugehen.
Als erfahrener Lehrer erkennt er die spezifischen Laster der Lebensalter.
„Ein Edler hat 3 Tabus: In der Jugend, wenn die Lebenskraft
noch nicht gefestigt ist, liegt das Tabu im Geschlechtstrieb.
Wenn er dann erwachsen ist und die Lebenskraft sich stabilisiert
hat, liegt das Tabu im Kampf (Machttrieb).
Und im Alter, wenn die Lebenskraft schon zerfallen ist, liegt
das Tabu in der Habgier“.
(n.R.S.14,Lunyu 16.7)
Jeder Lebensabschnitt ist bei Konfuzius mit einem bestimmten Tabu *
2
verbunden.
Tabu als Grenze, als Schutz vor dem eigenen Unvermögen und dem anderer
Menschen.
Er spricht von der Grenze zum Schutz des jungen Menschen dessen Sexualität an
ihm selbst noch nicht ausgeprägt ist, und daher Schaden durch sie erleiden würde.
Von der Grenze der Macht des Erwachsenen, seinen Kampf mit dem Machbaren und
den unübersehbaren Folgen daraus, wenn diese überschritten wird.
Er zeigt die Gefahr des Alters auf, die in der Gier nach materiellen Gütern liegt,
wenn das Zerfallen der Lebenskraft nicht zugelassen wird und dadurch nicht in
geistige Kraft umgewandelt werden kann.
Das Lunyu präsentiert Konfuzius jedoch nicht als unantastbaren Verkünder der
Wahrheit, sondern berichtet auch von Einwänden der Schüler und Kritik an seinem
Verhalten. Er schätzte sich glücklich, dass, „andere es sicher erkennen, wenn ich
einen Fehler mache“.
(n.R.S.15,Lunyu 7.31)
Fehler zu erkennen war für ihn der Hinweis der geistigen Entwicklung seiner
Schüler. Er schätzte als immer Lernender auch die Kritik an ihm selbst.
Der Mensch wird, wozu er sich selbst macht, und so ist denn der Konfuzianer
fortwährend um die Veredlung seines Selbst bemüht
.(R.S.83)
Einmal beklagte sich Konfuzius, dass sein Lieblingsschüler Yan Yuan ihm „nicht
hilft“, denn „unter meinen Worten ist keines, dass ihm nicht gefiele“.
(n.R.S.15,Lunyu 11.4)

Im frühen Konfuzianismus ist Widerspruch ein unverzichtbarer Wert. Er scheute die
Konfrontation nicht, forderte sie sogar heraus. Sie war Mittel zur Förderung von
Erkenntnissen und Freilegung eigener und fremder Ressourcen.

Überhaupt scheint eine recht unkonventionelle Atmosphäre in seiner Schule
geherrscht zu haben. So beansprucht Konfuzius, vor seinen Schülern „keine
Geheimnisse zu haben, sondern sie in ausnahmslos alles einzubeziehen.“
(n.R.S.15,Lunyu 7.24)

*Der Begriff Tabu kommt aus dem Polynesischen Tapu. TA=kennzeichnen, zeichnen, PU=intensiv kräftig.
Tapu=kräftig gekennzeichnet.
Tabu, Taboo, Tapu war ursprünglich kein Verbot, sondern ein Gebot, das sowohl heilig als auch unverletzlich war und als unberührbar galt. Es bezog sich auf religiöse und rituelle Handlungen und bedeutete, eine Grenze zu wahren. (Originalquelle unbekannt) Die Gegenbewegung :Heute gilt als emanzipiert, wer Tabus bricht. Es gilt als modern und fortgeschritten, keine
Tabus zu haben. Der alte Kampf gegen religiös-rituelle Tabus wird als vorbildliche Enttabuisierung zur Nachahmung präsentiert und mit dem sozialen Aspekt als Akt der Toleranz gegenüber Minderheiten deklariert und so oft auch zugleich zum weiteren Abbau sicherheitsgebender Tabus eingesetzt.

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